In Rheine fehlen immer noch Bebauungspläne

 

Stellen Sie sich mal vor

Sie sitzen im Sommer im Garten ihres Eigenheims auf der Terrasse, trinken nachmittags eine Tasse Kaffee, essen ein Stück Kuchen. Ihre Kinder oder Enkelkinder spielen auf dem Rasen und sie genießen die Ruhe. Zeitsprung: Jetzt stellen sie sich vor, wie sie im Sommer im Garten ihres Eigenheims auf der Terrasse sitzen und die Nachbarn des Zehnfamilienhauses, das anstatt des alten Nachbarhauses gebaut worden ist, sehen ihnen dabei zu.

 

In ihrem Viertel unmöglich, denken Sie?

Leider nein!

Beispiel Riegelstraße: Dem Abriss alter Gebäude folgt der Bau von Mehrfamilienhäusern

Aufgrund fehlender Bebauungspläne ist dieses Szenario sehr wohl möglich, denn im gesamten Stadtgebiet von Rheine existieren viele Wohngebiete, für die kein Bebauungsplan aufgestellt ist. Das ist grundsätzlich nicht weiter schlimm, gäbe es nicht Investoren, die Baulücken in genau diesen Baugebieten mit den maximal möglichen Baukörpern bebauen.

An Recht und Gesetz muss sich jeder halten. Aber wenn ein Bebauungsplan fehlt, kann das weit ausgedehnt werden. So kann es möglich sein, dass ein Zehnfamilienhaus in Nachbarschaft zu Einfamilienhäusern gebaut werden darf, wo zuvor ein in die Jahre gekommenes Nachbarhaus abgerissen wurde.

 

Nachverdichtung? Ja, aber nicht ungebremst

Bebauungspläne regeln die Größe der erlaubten Bebauung. Festgelegt werden Geschosshöhen, Anzahl der Wohnungen pro Gebäude oder etwa Baugrenzen. Bebauungspläne sorgen für den Interessenausgleich zwischen Nachverdichtung und vorhandenen, gewachsenen Strukturen. Sie legen für neue Bauvorhaben den verbindlichen, im Rat der Stadt beratenen, rechtlichen Rahmen fest.

Nachverdichtung von Stadtbebauung ist nötig, denn die Ressource Boden ist begrenzt. Städte können sich nicht uferlos ausdehnen. Grün- und Landwirtschaftsflächen oder Waldgebiete sind für die Artenvielfalt überlebenswichtig. Und: viele Grundstücke mit einer Einfamilienhausbebauung aus den 50er und 60er Jahren sind so groß, dass mühelos zwei Häuser darauf stehen könnten.

Neben den Ein- oder Zweifamilienhäusern werden heute vor allem kleine Wohnungen für Singles oder Senioren gebraucht. Und sie sollten nicht etwa auf der grünen Wiese, sondern in den Vierteln entstehen, in denen die Menschen verwurzelt sind. Es ist also wichtig, auch diese Interessen in Bebauungsplänen zu berücksichtigen.

 

Auf die lange Bank geschoben wäre zu spät für viele Baugebiete!

Aufgrund Personalmangels in der Bauverwaltung war es bisher nicht möglich, für alle Gebiete in der Stadt einen Bebauungsplan aufzustellen. Deshalb wollten wir in einer Prioritätenliste festlegen, dass die Verwaltung die Innenstadt nahen Gebiete zuerst bearbeitet. Dort ist das Interesse der Investoren, Grundstücke mit vielen Wohneinheiten zu bauen am größten. Doch die CDU geführte Ratsmehrheit war lange dagegen. Sie war der Meinung, die Bebauungspläne könnten aufgestellt werden, wann immer sich Zeit dafür fände.

Protestierende Bürger und die Ausmaße von geplanten Bauvorhaben haben die CDU schließlich zum Umdenken bewogen. Die Mehrheit des Rates hat endlich die dringend nötigen zusätzlichen Stellen in der Bauverwaltung beschlossen. Nun können zügig Bebauungspläne aufgestellt werden, die eine Nachverdichtung erlauben, dabei aber die gewachsenen Strukturen der Viertel berücksichtigen.

 

Es kann also endlich los gehen!

Beispiel Sutrumer Straße: Dieses Einfamilienhaus wird abgerissen. An seiner Stelle ist ein Zehnfamilienhaus geplant.

Zunächst wird nun das Gebiet rund um das Mathias-Spital bearbeitet. In diesem von Einfamilienhäusern geprägten Wohngebiet kommt es zu enormen Parkplatzproblemen. Neue Mehrfamilienwohnhäuser würden die Situation zusätzlich verschlimmern. Nun wird im Rat der Stadt also darüber beraten wo im Stadtteil eine verträgliche Nachverdichtung möglich ist oder wo darauf auch wegen des zusätzlichen Parkdruckes verzichtet werden muss.

Es ist Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Es kann nur besser werden.